Wir verwenden Cookies, um bestimmte Funktionen unserer Website zu ermöglichen und Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Wenn Sie auf unserer Website weitersurfen, stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu. Mehr Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Ok

 

01.12.2004

Von roten Kardinalsgewändern und schwarzen Talaren

Farben im Christentum vermitteln Symbolwerte – eine heilige Farbe gibt es hingegen nicht

Die Farben des christlichen Farbkanons finden sich zu bestimmten liturgischen Anlässen in Messgewändern und Altarschmuck wieder
Messgewänder

In vielen Religionen gibt es eine tiefe Verbundenheit zu einer oder mehreren Farben. So kleiden sich etwa buddhistische Mönche im heiligen Orange, im Hinduismus gelten Blau und Blauviolett als etwas Besonders, und im Islam wird dem Gläubigen in der Farbe Grün ein Paradies mit saftiger, grüner Vegetation versprochen – ein Gut, das gerade für Wüstenvölker von herausragendem Wert ist. Doch auch im Christentum haben Farben Symbolwert, wenn es auch keine einheitlich heilige Farbe gibt, sondern Farben lediglich für bestimmte Kleidung oder bei bestimmten Festtagen oder Anlässen gezielt verwendet werden.


Die christliche Farbliturgie ist eng mit dem Farbstoff Purpur verbunden. Das aus der Meeresschnecke gewonnene Färbemittel konnte je nach Art des Färbeprozesses unterschiedliche Farben liefern – von Grün, Rosa und Rot über Violett bis zu Schwarz. Allerdings zeigten die in diesen Farben gehaltenen Gewänder der Bischöfe oder Kardinäle ursprünglich lediglich das hohe Amt und die Würde seiner Träger an.

Erst um das Jahr 1200 wurde ein bis heute nahezu unveränderter Farbkanon festgelegt, der den einzelnen Farben zunächst jedoch keine theologischen Attribute zuteilte. Seitdem gelten neben Weiß und Schwarz Grün, Rosa, Rot und Violett – eben die antiken Purpurfarben – für Altar- und andere Schmucktücher und Gewänder als verbindlich.

Farben im späteren Mittelalter waren dennoch mit einer gewissen religiösen Symbolik verbunden. Diese fand auch in der damaligen Kunst und Malerei Anwendung. So stand Rot nicht nur für die Liebe, sondern auch für Feuer, Krieg und Blut und symbolisierte damit die Leiden Christi. Die Katholiken wählen Rot daher an Pfingsten und allen Märtyrerfesten für den Kirchenschmuck. Violett symbolisierte die Buße, weshalb in der Passions-, Fasten- und Adventszeit und an Buß- und Bettagen Violett verwendet wird.

Ein rötliches Purpur war die Farbe Gottes. Bis heute hat sich diese Farbe als Kardinalsrot erhalten: Immer noch werden die Gewänder der höchsten katholischen Würdenträger mit echtem Naturpurpur gefärbt, was ihnen im Italienischen die Bezeichnung "Porporato" eingetragen hat. Neben ihrer traditionellen Bedeutung eines hohen Amtes ist die tiefrote Farbe ein Symbol für die Treue zu Gott und zum Papst, die bis zum Blutvergießen geht.

Weiß verkörperte die Unschuld und stand für Freude, Reinheit und Glanz. Darum schmücken die Katholiken an Weihnachten, an Festen Gottes und Marias in Weiß. Bei den Protestanten wird Weiß an allen Christusfesten verwendet. Schwarz wurde ein Symbol von Tod und Trauer und damit auch der Sünde und des Teufels. Schwarz ist die Farbe an Karfreitag, Karsamstag und anderen Trauertagen sowie bei Totenmessen. Die Farbe symbolisierte aber auch Demut und Bescheidenheit, so wie Grau und Braun als Farben der freiwilligen Erniedrigung, der Weltentsagung und der Buße galten. Daher entschieden sich viele Mönchsorden bei der Wahl ihrer Kleidung für diese Farbtöne. Ebenso ist der Talar der protestantischen Pfarrer schwarz.

Grün symbolisiert die Hoffnung und wird sowohl in der katholischen als auch in der protestantischen Kirche vor allem außerhalb der Feiertage an gewöhnlichen Sonntagen verwendet. Gemeinsam mit Rot weist Grün auf Gott hin, gemeinsam mit Blau auf Christus. Alle drei Farben zusammen sind ein Symbol für die Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist. Gelb dagegen kommt in der christlichen Liturgie überhaupt nicht vor. Sie ist als Farbe der Ausgestoßenen wie Dirnen, Verrätern und Ketzern schlicht verboten.