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16.09.2015

Wahrzeichen in Rot-Silber-Elfenbein

Wie in Hamburg-Altona aus einem tristen Hochhaus ein farbiges Identifikationsobjekt wurde

Es war ein Wohnblock, wie er tausendfach in Deutschlands Großstädten zu finden ist: mit einer Fassade ohne Überraschungen, bei dem ein Stockwerk dem anderen gleicht, mit einem Gesicht aus Klinkern in tristem Braun. Kann man aus einem solchen Gebäude ein farbiges Wahrzeichen machen, über das man spricht? Man kann, wie die Architekten von nps tchoban voss in Hamburg gezeigt haben: Sie gaben dem Wohnhochhaus Schenefelder Holt 135 in Hamburg-Altona ein farbiges Gesicht mit Ecken und Kanten.

Der einst ebenen Fassade gaben die Architekten dank unterschiedlicher Dämmstärken ein lebendiges, reliefartiges Gesicht. Foto: Brillux
Fassade, Foto: Brillux

Das 14 Geschosse hohe Gebäude war in den 1960er-Jahren entstanden und in jeglicher Hinsicht in die Jahre gekommen: Die monotone Außenhaut aus Klinker musste mangels sicherer Verankerung abgenommen werden, und der energetische Standard war weit jenseits heute üblicher Anforderungen – Anlass genug, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, das energetische mit gestalterischen Aspekten verbindet.

Kern der Sanierung war – nachdem der Klinker verschwunden war – die Umwandlung der ungestuften Fassade in eine reliefartige Außenhaut. Möglich wurde dies durch die Montage eines Wärmedämm-Verbundsystems in unterschiedlichen Stärken sowie von Aluminiumverbundplatten, die zwischen den Fenstern platziert wurden. Durch die verschiedenen Aufbauhöhen entstand eine dreidimensional wirkende Fassade.

Markantes Gestaltungselement in der Fassade sind die Aluminiumverbundplatten, die vor allem in Kombination mit den Fensterflächen eingesetzt wurden. Foto: Brillux
Fassade, Foto: Brillux

Die alten Bestandsfenster wurden komplett durch moderne Kunststofffenster ersetzt, deren Brüstungen ebenfalls mit Aluminiumverbundplatten verkleidet.

Den entscheidenden, auch aus der Ferne sichtbaren Charakterwandel erhielt das Gebäude jedoch durch die Farbgestaltung: In einem langen Entscheidungsprozess fanden die Architekten zu einem dreifarbigen Muster aus mäandrierenden Bändern, die sich über die Fassade ziehen. Zum Einsatz kommen hierbei die Farben Elfenbein, ein dunkles, warmes Rot sowie das Silber der Aluminiumverbundplatten.

Die Brüstungen einiger Fenster wurden in Schwarz gestaltet, ebenso wie die Geländer der Balkone, die teilweise durch satiniertes Glas ein weiteres optisches Element erhielten. Jedem Stockwerk verliehen die Farbgestalter so einen eigenen, farbigen Charakter.

Farblich betont haben die Farbgestalter den markanten Schornstein des Gebäudes aus den 1960er-Jahren. Foto: Brillux
Hochhaus. Foto: Brillux

Das Gebäude selbst wirkt nun durch die horizontalen Gestaltungslinien breiter. Als durchgehendes, vertikales Element blieb lediglich der nun in rot gestaltete Schornstein – eine Reminiszenz an die Zeit, in der das Gebäude entstanden ist. Das Hochhaus prägt nun nicht nur durch seine Größe den Charakter des Quartiers. Es ist vielmehr ein Wahrzeichen, das nicht nur alle Gebäude des Viertels überragt, sondern auch farblich als Identifikationsobjekt dient.

Die Neugestaltung der Fassade überzeugt nicht nur die Bewohner und Besucher des Viertels. Auch der Jury des Deutschen Fassadenpreises war das Konzept eine Auszeichnung wert: 2012 erhielt das Gebäude den 1. Preis in der Kategorie energetische Fassadendämmung. (ud)