29.08.2007

Warum Frauen auf Rosa stehen

Die Vorliebe für rötliche Blautöne ist genetisch verankert, glauben Forscher

Mädchen lieben Rosa, das zeigt schon ein Blick auf Barbie und Konsorten. Lange Zeit glaubten Forscher, es handele sich bei dieser Vorliebe um ein rein gesellschaftliches Phänomen: Schon im Säuglingsalter werden kleine Mädchen in rosa Kleidchen gesteckt, bekommen rosafarbene Bettwäsche und Spielzeug in diversen Schattierungen von Pink, während Jungen umgekehrt mit Blau überschüttet werden – klar, dass so etwas die späteren Lieblingsfarben prägt. Doch es könnte auch mehr als ein einfacher Gewöhnungseffekt dahinter stecken, haben nun zwei britische Forscherinnen gezeigt: Sie glauben, dass die Vorliebe für Rosa oder zumindest für rötliche Blautöne fest im weiblichen Gehirn verankert ist – einfach, weil sie den frühen Menschen beim Überleben geholfen hat.

Rosa und Pink sprechen vor allem Frauen an - möglicherweise, weil bei ihnen eine Vorliebe für bläulich-rötliche Farben in den Genen liegt. Foto: titia, PhotoCase.com
Rosa und Pink sprechen vor allem Frauen an - möglicherweise, weil bei ihnen eine Vorliebe für bläulich-rötliche Farben in den Genen liegt. Foto: titia, PhotoCase.com
Blau hat sich bereits in mehreren Studien als die Farbe erwiesen, die weltweit am häufigsten als Lieblingsfarbe genannt wird. Foto: Niggl, PhotoCase.com
Blau hat sich bereits in mehreren Studien als die Farbe erwiesen, die weltweit am häufigsten als Lieblingsfarbe genannt wird. Foto: Niggl, PhotoCase.com
 

Insgesamt 198 Freiwillige rekrutierten Anya Hurlbert und ihre Kollegin Ling Yazhu, um der Frage nach potenziellen biologischen Lieblingsfarben auf den Grund zu gehen. 171 der Probanden waren waschechte Briten und daher mit der klassisch westlichen blau-rosa Trennung aufgewachsen. Die restlichen stammten aus China, einem Land, in dem Farben vollkommen andere Bedeutungen haben. Jeder Effekt, der in beiden Gruppen auftritt, so die Überlegung der Forscher, müsste daher auf einem biologischen und nicht auf einem kulturellen Mechanismus beruhen.

Im eigentlichen Test bekam jeder Studienteilnehmer nacheinander jeweils zwei von acht Farben auf einem Monitor gezeigt, von denen er diejenige auswählen sollte, die ihm persönlich mehr zusagte. Bei der Auswertung der Antworten konzentrierten sich die Wissenschaftlerinnen auf zwei Skalen, die nach der Gegenfarbtheorie der menschlichen Farbwahrnehmung zugrunde liegen und in die unbewusst alle Farben eingeordnet werden. Die eine erfasst Gelb und Blau und entsteht durch die Verrechnung der Signale aller drei Zapfen im Auge. Die andere ist für Rot und Grün zuständig und wertet die Signaldifferenz zwischen dem für langwelliges Licht empfindlichen L-Zapfen und dem auf mittlere Wellenlängen geeichten M-Zapfen aus.

Wurde nur die Blau-Gelb-Skala berücksichtigt, bevorzugten alle Probanden unabhängig von ihrem Geschlecht oder ihrer Herkunft jeweils den bläulicheren Ton der beiden gezeigten Farben, entdeckten die Forscherinnen – ein Ergebnis, das sich mit den Ergebnissen früherer Studien deckt, in denen sich Blau ebenfalls als die insgesamt beliebteste Farbe erwies. Anders fiel das Resultat jedoch aus, wenn die Farbvorlieben auf Basis der Rot-Grün-Skala bewertet wurden: Hier tendierten die Frauen zum Rot, während die Männer eher die grünlicheren Töne wählten. Männer, so das Fazit der Forscherinnen, mögen also am liebsten ein ziemlich reines Blau, das höchstens einen kleinen Anteil Grün enthält, während Frauen eindeutig rotstichige Blautöne mit der Tendenz zum Violett vorziehen.

Entstanden sein könnte diese Vorliebe nach Ansicht von Hurlbert und Yazhu schon in grauer Vorzeit, als die frühen Menschen noch als Jäger und Sammler lebten. Blau könnte damals bereits positive Assoziationen hervorgerufen haben, etwa weil der blaue Himmel anzeigte, dass keine Gefahr von Unwettern drohte oder weil klares blaues Wasser ohne Risiko getrunken werden konnte. Für die Frauen war ein Faible für rötliche Töne zusätzlich nützlich – und das sogar in doppelter Hinsicht: Es half, reife Früchte und oder andere essbare Pflanzenteile vor dem grünen Hintergrund der Pflanzen zu identifizieren und machte gleichzeitig empfänglich selbst für geringfügige Veränderungen in der Gesichtsfarbe der Mitmenschen, die einen Stimmungsumschwung oder auch einen Hinweis auf Gesundheitsprobleme anzeigen können.

Ob diese Interpretation tatsächlich stimmt, lassen die Wissenschaftlerinnen allerdings noch offen. Man habe nicht vollständig ausschließen können, dass die Neigung zum Rot bei den Frauen eventuell doch auf eine kulturelle Prägung zurückzuführen sein könnte. In China sei Rot als die Glücksfarbe schlechthin schließlich über die Maßen positiv besetzt. Das könnte zumindest teilweise ebenfalls die Vorliebe der Frauen für rötliche Farbtöne erklären. (ilb)