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06.12.2006

Weshalb der Nikolaus heute meist einen roten Mantel trägt

Die Vermischung mit der Figur des Weihnachtsmanns brachte dem Heiligen sein heute gängiges Erscheinungsbild

Roter Mantel, Pudelmütze und ein langer, weißer Rauschebart: So kennt hierzulande fast jedes Kind den Nikolaus. Mit der historischen Figur des Heiligen Nikolaus, der in Myra als Bischof wirkte und auf den das St. Nikolaus-Fest zurückgeht, hat dieses Erscheinungsbild freilich nichts zu tun – denn der Bischof trug zwar einen Mantel, doch dieser war keineswegs unbedingt rot. Verantwortlich für die heute vorherrschende Farbgebung ist vielmehr der Weihnachtsmann, mit dem die Figur des Nikolaus heute häufig vermischt wird und der seit vielen Jahrzehnten stets in Weiß-Rot auftritt. Eine moderne Legende ist jedoch, dass das Rot auf eine Werbeidee des Getränkeherstellers Coca-Cola zurückgeht.

So steht er seit Wochen in Massen in den Regalen: der rot-weiße Weihnachtsmann. Foto: PhotoCase.com
So steht er seit Wochen in Massen in den Regalen: der rot-weiße Weihnachtsmann. Foto: PhotoCase.com

Der Heilige Nikolaus lebte im 4. Jahrhundert in Myra, einer Stadt in der heutigen Türkei. Bekannt dafür, dass er sich als Bischof für die Armen einsetzte und besonders als Freund der Kinder galt, kursierten schon früh viele Legenden über seine Person. So soll er beispielsweise drei Mädchen, die vom Vater aus Geldnot zur Prostitution gezwungen werden sollten, aus ihrer misslichen Lage befreit haben. Bereits im 6. Jahrhundert wurde der Heilige Nikolaus aufgrund seines Wirkens in Myra und Byzanz, ab dem 10. Jahrhundert auch im übrigen Europa verehrt. Die Nikolausfigur wurde seinem Vorbild entsprechend als Bischof mit Stab, Mitra und weitem Mantel dargestellt. Dieser war jedoch nicht zwingend rot.

 

Bis zur Reformation war es in Deutschland üblich, sich am Nikolaustag zu beschenken. Viele katholische Familien hielten nach der Reformation die Nikolausverehrung bei, und im 17. Jahrhundert tauchte erstmals die Vorstellung auf, dass der Nikolaus die Kinder zuhause besucht. Schon damals hatte er eine Rute dabei. Der Streich mit der Rute war allerdings nicht als Strafe gedacht. Vielmehr sollte die Berührung mit dem lebendigen Zweig Fruchtbarkeit verleihen. Später gesellte sich zum Nikolaus Knecht Ruprecht, der fortan die unartigen Kinder mit der Rute bestrafte.

 

Während im kirchlichen Bereich der Heilige Nikolaus erhalten blieb, entstand im 19. Jahrhundert eine Nikolausfigur, die immer weniger Bezug zur Religion hatte. Im Jahr 1804 wurde die Vorstellung vom holländischen "Sinterklaas" nach Amerika exportiert. Aufgrund des fehlenden konfessionellen Hintergrunds verlor "Santa Claus" alle Attribute, die ihn als Bischof auszeichneten. Vermischt mit der aus Europa importierten Vorstellung eines "Herrn Winter", einem alten Mann mit Kapuzenmantel, der den Christbaum und die Geschenke bringt, wurden Messgewand, Bischofsstab und Mitra gegen einen mit Pelz besetzten Mantel und eine Pudelmütze ausgetauscht.

Ob der Heilige Nikolaus so aussah wie in dieser Darstellung ist ungewiss. Sicher ist: Eine Pelzmütze trug er nicht.
Ob der Heilige Nikolaus so aussah wie in dieser Darstellung ist ungewiss. Sicher ist: Eine Pelzmütze trug er nicht.

Santa Claus wurde rasch zur Symbolfigur der Weihnachtszeit und bekam nach und nach auch sein typisches Aussehen sowie seine treuen Begleiter, die Rentiere. In einem 1821 veröffentlichten englischen Gedicht reiste der ganz in Pelz gekleidete "Santeclaus" mit einem von einem einzigen Rentier gezogenen Schlitten. Ein Jahr später schrieb Clement Clarke Moore das Gedicht "The Night before Christmas", in dem er Santa Claus acht Rentiere gab und ihn durch den Kamin heimlich in die Häuser steigen ließ.

 

In den 70er-Jahren des 19. Jahrhunderts schließlich zeichnete der Karikaturist Thomas Nast eine Serie von Bildern für die Zeitung "Harper’s Weekly", in denen er Santa Claus einen Vollbart verpasste und ihn als Spielzeughersteller darstellte. Zudem ließ er ihn am Nordpol wohnen. Diese Santa-Claus-Figur war im späten 19. Jahrhundert weit verbreitet. Sie war meist mollig und mit einem vorwiegend roten, ab und zu aber auch blauen, grünen oder violetten Mantel bekleidet.

 

Als in Amerika schließlich die aus England importierte Sitte aufkam, sich Weihnachtskarten zu senden, gab Louis Prang eine Karte heraus, auf der ein pummeliger Santa Claus in einem roten Anzug abgebildet war. Dieses Bild setzte sich allmählich durch und verdrängte die andersfarbigen Santas. Im Jahr 1927 schrieb die New York Times: "Den Kindern in New York zeigt sich ein einheitlicher Santa Claus. Höhe, Gewicht und Gestalt stimmen beinahe bei allen überein, so auch das rote Gewand, die Kapuze und der weiße Vollbart. Auch ein mit Spielzeug gefüllter Sack, rote Wangen, eine gerötete Nase, buschige Augenbrauen sowie ein fröhlicher und dickbauchiger Eindruck sind notwendige Bestandteile der Aufmachung."

 

Entgegen der weit verbreiteten Meinung hat also nicht Coca-Cola den rot-weißen Anzug des Weihnachtsmannes erfunden. Die Firma startete allerdings 1931 eine Kampagne, in der sie für ihr Getränk mit Santa Claus warb. Selbstverständlich war dieser mit einem rot-weißen Anzug bekleidet, schließlich sind dies auch die Firmenfarben von Coca-Cola. Mit den Werbefeldzügen für das Erfrischungsgetränk kam der zum Santa Claus gewordene Sinterklaas schließlich als rot-weiß gekleideter Weihnachtsmann nach Europa zurück.

 

Dieser Weihnachtsmann erfreut sich inzwischen hierzulande einer großen Popularität – vor allem durch seine Allgegenwärtigkeit in der Werbung in der immer weiter nach vorne verlängerten Weihnachtszeit. Nicht zuletzt deshalb haben sich in der Vorstellung vieler Menschen die Figur des Weihnachtsmannes und die des Nikolaus immer mehr vermischt. Und so kam es, dass nun auch der Nikolaus meist mit einem roten Anzug, einer roten Mütze und einem weißen Bart dargestellt wird.